Eine kleine Gourmetreise ins Elsass

Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Ob nun auf dem Feld oder im Weinberg, eine sehr gute Zeit um siech die Tage mit ein wenig Genuss zu versüßen.

Wir sind für 3 Abende in das benachbarte Elsass gefahren um uns ein wenig kulinarisch verwöhnen zu lassen.

Die Ausblicke entlang der Route de vin ist einfach traumhaft um diese Jahreszeit. Die endlosen Weinberge und Felder verwandeln ihre Farbe und spiegeln sich in allen möglichen Farben des Herbstes. Überall sind die Winzer damit beschäftigt die Ernte einzufahren und die Weinberge sind bis auf wenige Spätlesen, Eisweine und Gewürztraminer bereits abgeerntet.

Das Hotel Le Mittelwihr in Mittelwihr zentral gelegen bietet eine gute Ausgangslage um die umliegenden Weingüter zu erlaufen und zu erleben. Der nahe Mandelberg, eine der Cru-Lagen des Elsass ist gleich um die Ecke und wir haben die Gelegenheit die Ausgangsprodukte sowie die zurückliegenden Jahrgänge zu kosten.

Der 2009er Jahrgang wird übrigens „exeptionel“ wenn wir den Winzern glauben schenken wollen – wir wollen!

Die bevorzugten Weine der Region sind der Riesling, Pinot gris, Gewürztraminer, Pinot blanc, Pinot Noir, Muscat, Sylvaner wie auch der Tokay.

Dazu kommet noch die Chardonnay Traube, die in der Herstellung des Cremant de Alsace Verwendung findet. Der Cremant ist ein Schaumwein der im Champagnerverfahren hergestellt wird und sich nicht hinter selbigem verstecken muss.

Das Hotel Le Mittelwihr bietet mit seinen 3 Sternen eine saubere und recht komfortable Übernachtungsmöglichkeit. Die Zimmer dürften ein wenig geräumiger sein sowie die Hellhörigkeit der Badezimmer kann von lustig bis ärgerlich empfunden werden. Das optionale Frühstück ist gut aber lediglich „französisch“ und damit den Mehrpreis nicht wert. In Ermangelung von Alternativen nimmt man es jedoch in Kauf.

Der erste Abend wurde vorab im Restaurant Le Chambard in Kaysersberg vorgebucht was sich als sinnvoll herausstellte. Das in der Gegend unter den Einheimischen als bestes Restaurant empfohlene Le Chambard war bis auf den letzten Tisch ausgebucht was nicht zuletzt an der enormen und eindrucksvollen Weinkarte lag.

Das Menü Découverte präsentierte sich dem Stern würdig. Wenn überhaupt dann gab es zwei Kritikpunkte. Alle Gänge waren sehr sparsam gewürzt was uns, die wir wenig Salz verwenden, verwundert hat. Auf Nachfrage erhielten wir eine Muskatreibe und ein Stück Himalayasalz welches man sich allerdings kaum traut zu verwenden da, über die Reibe gerieben, das Gerät einen Höllenlärm macht der alle Ohren und Augen auf sich zieht :-). Ein Schälchen Fleur de sel wäre hier dezenter und sicherlich genauso gut. Die mit Gewürztraminergelee überzogene Fois Gras an Ananasmousse konnte nicht überzeugen da sie zum Einen nicht ordentlich entnervt war und das Ananasmousse mit extremer Säure unangenehm hervorstach. Die restlichen Gänge des Menüs waren exeptionell wie der Franzose sagen würde.

Hervorheben muß man in jedem Fall den absolut perfekten Service. Gelassen, unaufdringlich aber 100% aufmerksam.

Die Weinkarte läßt keinen Wunsch oder zumindest keinen unserer Wünsche offen. Zum Aperitif einen Schaller Cremant Cuvee „S“, dann einen 1997er Cru Riesling des Weinguts Faller und danach ein Gedicht von Rotwein aus der Bourgogne

Nach dem Frühstück des zweiten Tages machten wir uns auf die Weine des Vorabends zu suchen. Der Cremant war sehr einfach zu finden da das Weingut Schaller sein Gebäude direkt gegenüber dem Hotel hat und wir von Frau Schaller sehr freundlich empfangen wurden. Ein wenig Aufklärung und Geschichten aus dem elsässischen Weinbau und den Wurzeln der Familie Schaller die bis ins 16. Jahrhundert nachgewiesen Weinbau betrieben haben, haben  uns Freude bereitet.

Ein kurzer Anruf im Restaurant und es war klar was uns am Vorabend leckeres ausgeschenkt wurde und wir probierten und kauften die Köstlichkeiten des Weinguts. Die Degustation im Weingut Faller kam leider nicht zustande. Vielleicht waren wir nicht schnieke genug gekleidet oder man hat es gar nicht mehr nötig. Aber das schöne an der Weinstraße im Elsass sind die 3 Winzer pro 5 Wohnhäuser und somit muss man sich nicht auf eine handvoll Winzer beschränken.

Der zweite Abend folgte einer Empfehlung aus einem Weingut und wir kamen ohne Reservierung im Restaurant Le Agenau blanc in Beblenheim unter.

Eher einfach ist dieses Restaurant eher auf den durchreisenden Touristen ausgerichtet, bietet aber eine vielversprechende Karte. Auch hier ging der Griff zum großen Menü und wurde mit einem Glas Cremant eingeläutet. Vielleicht ist es unfair nach einem Abend im Le Chambard hier zu urteilen aber die Speisen waren ordentlich. Lediglich der erste Gang, einem lieblos trapierten Salat mit Fois Gras, geräucherter Barbarie Ente, Lachs und einem sehr bitteren Quittengelee, hätte man sich komplett sparen können. In der Brühe der perfekt gegarten St. Jaques konnte man unschwer Glutamate schmecken und das Kalbsfilet war zu durch was die aufgelegte auf den Punkt gebratene Fois Gras wieder einigermaßen ausglich.

Eine Überraschung bereitete uns ein in Mirabellenbrand flambierter Münsterkäse mit einem korrespondierenden Gewürztraminer dazu. Nie hätten wir gedacht dass uns das schmecken würde aber wir wurden definitiv vom Gegenteil überzeugt.

Halber Preis = Viertel kulinarischer Genüsse. Ich denke die Formel trifft auf die ersten beiden Abende zu.

Das Restaurant des dritten Abends hatten wir ebenfalls vorgebucht. Den Stern erst relativ frisch, liegt das Le table du Gourmet von Jean Luc Brendel im Herzen von Riquewihr, einer der ältesten Städte Frankreichs. Doch zuvor noch schnell einen Abstecher in das Weingut Willy Wurtz der uns ebenfalls empfohlen wurde. Im Weinkeller sitzend und der „Musik“ der Weinfässer lauschend durften wir die Weine des Weinguts Wurtz kosten und waren recht begeistert von den Cuvés sowie dem 2007er Cru Riesling. Eingepackt und voller Vorfreude ab ins Le table du Gourmet.

Die Inneneinrichtung ist gewaltig. Tiefes rot und schwarzes Gebälk tauscht sich mit Bildern verschiedener Künstlern die voll unseren Geschmack trafen. Wir wurden zu unserem Tisch geführt und kamen aus dem Staunen und Wohlfühlen kaum mehr heraus.

Die Entscheidung fiel auf das Wintermenü das so ausgefallen schien, dass wir Schwierigkeiten hatten die Gänge zu entziffern

AMUSES BOUCHE

BÂTON DE FOIE GRAS DE CANARD D’ALSACE POP CORN D’AMARANTHE, GEL MIRABELLE

TAGINE DE POTIRON AUX CHATAÎGNES, ECUME CACAO SUR CREVETTE CROQUANTE
ST JACQUES RÔTIE  SUR  MÉLANGE DU TRAPPEUR, JUS DE POMME VERTE ET NOIX EN PAPILLOTTE,
FAUX NOUGAT DE FRUIT SEC

VAPEUR DE BAR «TERRE MER » ALGUES, LEGUMES DE MON JARDIN, COQUILLAGES FUMÉES, MOUSSE PARMESAN

FAON DE DAIM OU CHEVREUIL, DES CHASSES D’ALSACE AUX EPICES CHAUDES MOSAIQUE DE FRUITS D’AUTOMNE, POLENTA DE GIROLLE

CRÈME DE CÈPE SUR PÂTE DE FRUIT CITROUILLE ET MERINGUE, AIR DE CHOCOLAT

AIR DE MARC DE GEWURZTRAMINER SUR GLACE LIME ET SPIRULINE, FILAMENTS DE CACAHUÈTE

Man erkennt, hier ist ein Kreativer am Werk und das wurde definitiv bestätigt. Exzellente Küche meisterhaft präsentiert hat uns den Abend begleitet. Doch auch hier ein kleiner Ausrutscher der Küche. Der Barsch und die Algen hätten harmoniert wenn die Menge der Algen drastisch reduziert wäre. So war der Fischgang spannend aber leider gar nicht lecker. Die Gesichter weiterer Gäste die diesen Gang gegessen hatten bestätigten unser Empfinden.

Aber die restlichen Gänge waren wirklich phantastisch. Kreativ, geschmackvoll, spannend und die Anreise allemal wert.

Eine ganz große Rüge aber für den schlechtesten Service der drei Abende. Wo die Servicechefin ihren Job exzellent beherrschte und stets bemüht war, herrschte um sie herum das reine Chaos. Die Somelier war plötzlich verschwunden, leider erst nach ihrer absolut unpassenden Weinempfehlung. Der letzte Gang wurde inmitten des vorletzten Gangs serviert und wir dachten erst – „wollen die uns hier raushaben?“. Eine der Servicekräfte hatte offensichtlich keine Lust und neben ihrer offensichtlichen Arroganz lieferte sie einen Service ab den ich im einfachsten Sportheim-Restaurant noch nicht schlechter erlebt habe.

Definitiv hier keinen Stern von uns für das Le table du gourmet. Sehr sehr schade da das Restaurant das beste Ambiente sowie eine kreative und sehr leckere Küche bietet.

Nach diesem eher enttäuschenden Abend fällt die Heimfahrt nicht schwer zumal der Regen einsetzte und er Kofferraum voll Weinkisten kaum mehr Platz für weitere Stationen ließ. Eine noch an der wir nur schwer vorbeikommen. Arthur Metz in Marlenheim. Zwei Kisten Cremat Prestige Brut eingepackt und dann war dort ja noch das Weinlesefest das tausende Besucher aus der Region angelockt hat.

Das Elsass – auf jeden Fall mehr als eine Reise wert.

Le Table Du Gourmet

Le Chambard

Le Agneau blanc, 3 rue Hoen,68980 Beblenheim

Hotel Le Mittelwihr

Weingut Schaller

Weingut Willy Wurtz

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