Feischlos Kind sein

Fleischlos Kind sein

Mit freundlicher Genehmigung von fleischlos.de

Man liest es immer wieder, wird immer wieder in Foren und Blogs darauf aufmerksam, daß sich zunehmend junge Menschen weigern, Fleisch oder Fleischprodukte zu essen.
Damit ecken sie nicht zuletzt in ihrem Elternhaus an und sehen sich massiven Konfrontationen ausgesetzt. Eltern versuchen vehement ihr Kind zum Konsum von Fleisch und Fleischwaren zu zwingen oder gehen nicht auf ihr Kind ein.

Woher kommt das? Sicher sind wir durch unsere Eltern, unser Umfeld, die Erziehung geprägt und viele von uns sind mit Fleisch und Fleischwaren aufgewachsen.  Zu meiner Kindheit gab es keine Frage nach feischlos oder nicht, Fleisch war etwas Besonderes, nicht zuletzt weil man es einmal, maximal zweimal die Woche serviert bekam. Aber auch dann nicht in großen Mengen, dem Geldbeutel entsprechend.

Was hat sich geändert? Erst einmal ist Fleisch billig geworden. Weit billiger als der entsprechende Nährwert in Gemüse oder Getreide. Weitreichende Subventionen sowie die Massenproduktion haben der Fleischlobby den geplanten Marktanteil beschert, das Produkt Fleisch neben der Abstraktion in den Köpfen der Menschen zum billigen Massenprodukt avancieren lassen. Dabei hat die Werbung ihren Teil dazu beigetragen und Fleisch mit Kraft, Intelligenz, Männlichkeit, Freiheit und einigen anderen Attributen zu belegen, die uns tagtäglich in diversen Prospekten und Werbeblättchen um die Ohren geschlagen werden.

Wie soll das Kind nun seinen Eltern beibringen, daß alles was diese in den vergangenen 20-30 Jahren gehört und verinnerlicht haben, Werbung und industrielles Kalkül war?  Daß, obwohl sie sich gesund fühlen und ihr Kind ja prächtig herangewachsen ist, diese Form der Ernährung nicht mehr richtig oder mindestens zu überdenken sei? Für ein Kind von 10-16 Jahren keine leichte Aufgabe.

Vielleicht sollten wir uns als erstes der genannten Attribute annehmen, die uns von der Industrie, den Verbänden und den Lobbies diktiert wurden.

Kraft

Kraft ist eine gerichtete Größe in der Physik und der klassischen Mechanik. Kraft wende ich auf um Arbeit zu verrichten. Dazu benötige ich Energie. Der Fleischkonsum soll demnach dem Körper Energie zuführen um Arbeit verrichten zu können. Energie wird in Joule gerechnet und beschreibt die Menge an Energie, die wir unserem Körper zuführen.

1 Kilo Fleisch = X Energie.

Wie hier der Nutzen von Fleisch zu Energie ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

  1. Kann ich die durch Fleisch zugeführte Energie speichern?
  2. Kann ich diese Energie sinnvoll verwerten?
  3. Schadet die Energie in Abhängigkeit von Menge/Wechselwirkung/Mangel?
  4. Habe ich Alternativen?

Intelligenz

Intelligenz ist nur schwer meßbar und hat in erster Linie nicht zwingend mit Schulbildung zu tun. Ein intelligentes Kind kann in der Schule schlecht sein, ein nicht intelligentes Kind wird in der Schule schlecht sein. Intelligenz kann man fördern; sie hängt von vielen Faktoren ab. Ein maßgeblicher Faktor ist die ausreichende Zufuhr der richtigen Nährstoffe im Wachstum. Hier beginnt das Wachstum ab Befruchtung und endet irgendwo in den Twens.

Also lässt sich Intelligenz in Bezug auf Fleisch unter folgenden Gesichtspunkten betrachten:

  1. Liefert Fleisch die notwendigen Nährstoffe?
  2. Kann ich diese Nährstoffe verwerten um Intelligenz zu fördern?
  3. Schaden diese Nährstoffe in Abhängigkeit von Menge/Wechselwirkung/Mangel?
  4. Habe ich Alternativen?

Männlichkeit

Männlichkeit ist eines der Attribute die ich besonders mag. Da stehen übergewichtige “Männer” um den Grill, in der einen Hand eine Flasche Bier, in der anderen die Grillzange und kommunizieren auf dem Niveau des zubereiteten Grillguts miteinander. Männlichkeit ist kein bewertbares Attribut! Aber sicher doch? Männlichkeit wird medizinisch im Allgemeinen mit der Potenz der Zeugungsfähigkeit in Zusammenhang gebracht, diese kann man wieder mit den folgenden Fragen im Kontext zum Fleischkonsum setzen:

  1. Liefert Fleisch alle die notwendigen Nährstoffe?
  2. Kann ich diese im Sinne der Männlichkeit verwerten?
  3. Schaden die Inhaltsstoffe der Männlichkeit und/oder in Abhängigkeit von Menge/Wechselwirkung/Mangel?
  4. Habe ich eine Alternative?

Freiheit

Dieses Attribut wird in der Werbung sehr gerne für jegliches Produkt herangezogen. Freiheit durch die Wahl des Papiertaschentuches, des Tampons, der Waschmittelmarke und nicht zuletzt durch den Verzehr von Fleisch bzw. in der Werbung in aller Regel durch den Verzehr dieser bestimmten Sorte Wurst oder Fleischprodukt. Aber es wäre albern darüber zu schreiben angesichts der Massentierhaltung, der Tötungsszenarien, der Abstraktion von Fleisch in unserem Alltag und nicht zuletzt gegenüber dem Respekt vor jeglichem Leben.

Also nehmen wir nun KraftIntelligenz, Männlichkeit und auch die Freiheit und beantworten die gestellten Fragen dann kommen wir zu der Aussage, daß es keine allgemeingültige Aussage gibt. Einige Kernaussagen, die jeder sicher schon an anderer Stelle gelesen hat können wir im Bezug auf das Geschriebene aber zusammenfassen und belegen:

  • Fleisch kann, in Abhängigkeit von Aufzucht, Fütterung und Medikation des Tieres und unter der Beachtung der Mengen in einer ausgewogenen Ernährung zu einer gesunden Ernährung beitragen.
  • Fleisch ist in einer ausgewogenen Ernährung niemals notwendig.
  • In größeren Mengen oder nicht ausgewogener Ernährung ist Fleisch ungesund oder kann krankmachende Faktoren fördern.
  • Eine fleischlastige Ernährung fördert nachweislich die Entstehung unterschiedlichster Krankheiten.
  • Die Fette und  Proteine im Fleisch sowie in tierischen Produkten im Allgemeinen sind vom menschlichen Körper schlechter verwertbar als ihre pflanzlichen Alternativen.
  • Eine fleischlastige Ernährung geht nachweislich mit sinkender Männlichkeit im Sinne der Zeugungsfähigkeit einher.
  • Eine fleischfreie Ernährung kann in einer nicht ausgewogenen Ernährung zu Eisen-Mangelerscheinungen führen.
  • Eine ausgewogene, fleischfreie und gesunde Ernährung ist einfach zu realisieren.
  • Fleichkonsum fördert direkt die Umweltverschmutzung, Armut und Hunger auf der Erde.

Doch was hilft das alles dem Kind das seinen Eltern klar machen will, daß es zukünftig auf Fleisch, Fisch und/oder gänzlich auf tierische Produkte verzichten will?

In aller erster Linie müssen Eltern verstehen, daß eine fleischlose Ernährung nicht ungesünder ist als eine Ernährung mit Fleisch. Das einfache Weglassen der fleischigen Komponenten in der allgemeinen Ernährung reicht hier allerdings nicht. Hier muß die Küche ausgewogener gestaltet werden. Und schon haben wir zwei Punkte die den Eltern Angst machen:

  1. Mein Kind soll sich nicht ungesund ernähren
  2. Ich muß umdenken, flexibel sein, mehr nachdenken

Den ersten Punkt kann man durchaus nachvollziehen wenn die Eltern bezüglich Ernährungsfragen bis dato uninteressiert waren. Was hilft ist Aufklärung, Bildung, Meinungen. Es ist vorstellbar, wie es dann in manchen Familien ablaufen kann. Das Spektrum reicht von Verständnis bis zur Dummheit. Aggressionen sind meist vorprogrammiert, da man  Menschen aus der Abstraktion herausführt. “Was Du da auf dem Teller hast, ist ein Stück eines toten Tieres, welches  Zeit seines Lebens leiden mußte und oft unter Qualen gestorben ist, nur um Dich so zu ernähren”: Das will niemand hören.

Wir Menschen wissen ganz genau, wenn unser Handeln ethisch nicht korrekt ist. Wir alle sind  Meister der Verdrängung und so ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, das Vorhalten eines Spiegels. Kinder sind impulsiv, ecken an, wollen sich nicht unterordnen, rebellieren – hey, wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung? Da ist wenig Raum für Konstruktives und für Diplomatie. Und genau hier ist die Bitte an die Eltern zu richten und zu verstehen- verstehen zu lernen, warum mein Kind diese Entscheidung gefällt hat. Egal ob es eine temporäre Phase ist oder das weitere Leben des Kindes prägen wird.

Der zweite Punkt ist, sobald der erste Punkt ausgeräumt ist, eigentlich nur eine Sache der Organisation. Hier gibt es massig Hilfestellung im Internet, in Kochbüchern oder man läßt der eigenen Kreativität ihren Lauf. Die Angst davor, diese durchaus intellektuelle Anforderung zu meistern, läßt aber viele dazu verleiten nicht auf die erste Frage, die Frage nach der Gesundheit, einzugehen.

Aufklärung!

Wenn ich mit einem Blinden über die Farbe Grün reden will, muß ich ihm zuerst erklären was eine Farbe ist und wie “grün” ist. So ähnlich verhält sich das mit dem Vegetarismus. Die meisten Menschen haben sich mit dem Thema nicht beschäftigt. Viele wurden durch Halbwahrheiten und Werbebotschaften falsch geprägt.  Schon die einfachsten Kenntnisse sind nicht vorhanden. Also beginnen wir ganz von vorne:

Was ist vegetarisch?

Vegetarier sind Menschen die auf alle Speisen, für die ein Tier sterben mußte, verzichten.

Nun gibt es hier feine Abstufungen, die aber Blödsinn sind. Die Abstufungen sind dadurch entstanden, daß sich die Menschen  selbst belügen und in ihrer Überzeugung nicht gefestigt sind oder diese sich eben geändert hat. Da wird vom Pescetarier gesprochen, der kein Fleisch isst, aber Fisch. Das hat nichts mit vegetarischer Ernährung zu tun.

Eine Unterscheidung kann man aber jedoch gelten lassen. Die Teilung in die Vegetarier, die sich vegetarisch ernähren und die, die vegetarisch leben. Vegetarier die vegetarisch leben verzichten auf alle Produkte für die ein Tier sterben mußte. Das sind neben den oft verspotteten Pelzen auch Leder in jeglicher Form, Zusatzstoffe, Kosmetik etc.


Was sind dann Veganer?

Der Schritt vom Vegetarier zum Veganer ist eigentlich nur ein Kleiner – denkt man. Veganer verzichten auf jegliches Produkt, das von einem Tier stammt. Egal, ob das die Milch ist oder die Schafwolle für den Pullover. Sie vezichten bewußt aus Achtung vor dem Leben auf jegliche Ausnutzung von Tieren. Dies ist nicht einfach, da sich hinter so vielen Produkten tierische Bestandteile verstecken. Haben Sie zum Beispiel gewußt, daß Wein mit bzw. durch Eiweiß vom Ei oder Gelatine geklärt wird? Das ist nur ein Hindernis auf dem steinigen Weg zur veganen Lebensweise.

Mangelerscheinungen!

Was habe ich da nicht schon alles gehört, was einem Vegetarier alles zustoßen kann, wenn er auf Fleisch und Fisch verzichtet. Jodmangel, Eiweißmangel, Muskelschwund sind nur drei von vielen Mangelerscheinungen, die wir Vegetarier alle in unserem Leben erleiden.

Eine ausgewogene vegetarische Ernährung wird in den seltensten Fällen zu Mangelerscheinungen führen. Tut sie dies, dann hängt das in vielen Fällen an krankheitsbedingten Faktoren und hat nichts mit der Ernährung zu tun. Als einziger kommerzieller Mangel ist Eisen zu nennen. Eisen ist in vielen Fleischsorten, aber vor allem Innereien üppig vorhanden. Verzichtet man, nein, läßt man Fleisch einfach weg (es ist wirklich kein Verzicht), dann sollte man auf seinen Eisenhaushalt achten. Auch wenn es einem gut geht ist ein regelmäßiges Blutbild empfehlenswert. Übrigens auch für den Fleischesser, nur wird man hier eher nach hohen Cholesteriwerten und ähnlichen Verdächtigen Ausschau halten.

Eisenmangel kann man durch eine eisenlastige Ernährung oder einfach durch die gelegentliche Einnahme von Eisenpräparaten entgegnen.

Somit haben Eltern schon einmal ein erstes Bild auf was ihr Kind da zusteuert. Ich kenne Kinder die sich Zeit ihres Lebens vegetarisch ernährt haben und alle haben eins gemeinsam, sie sind gesund und munter.

Nun wäre es zuviel verlangt zu glauben, daß genau diese Eltern hier lesen. Aber eventuell hilft es Kindern und Jugendlichen die nach Argumenten suchen oder vielleicht einfach nur Unterstützung benötigen.

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