Schlagwort-Archive: Restaurantkritik

Malathounis – modern greek cuisine?

Modern greek cuisine?

Erst einmal ist man versucht an Gyros, Souvlaki, Ouzo und Mousaka zu denken. Nicht so bei Anna und Joannis Malathounis in Kernen Stetten. Das gleichnamige Restaurant verspricht in zahlreichen Kritiken und Berichten etwas ganz anderes zu machen und auch die Webseite des „Malathounis“ lockt mit allerlei guten Informationen sowie Genüssen in Wort und Bild.

Vorneweg: Wir waren nicht überzeugt von dem was geboten wurde. Es fehlten die Highlights, der Kick. Die Speisefolge bestand aus dem großen Menü plus zusätzliche Gänge. Die Gänge im Einzelnen:

JAKOBSMUSCHEL, BLUMENKOHL & KAVIAR – Gebratene Jakobsmuscheln mit Blumenkohlcreme und Tzarkaviar.

KANINCHEN, MOKKA & APRIKOSE – Bauernkaninchen und Gänseleber in Samosgelee, Haselnuss-Mokkajus, Aprikosen mit Sichuanpfeffer.

GAMBAS, AUBERGINE & PASSIONSFRUCHT – Gambas im Kartoffelmantel mit Auberginenkompott und Passionsfruchtjus.

KALB, SALATE & MEERRETTICH – Zweierlei von der Kalbsbrust mit Sommersalaten und Meerrettichcreme.

LAMM, PFIFFERLINGE & DÖRROBST – Lammrücken mit Oliven, Pfifferlingen und Nusscrumble „Fleur de Sel“, gratinierte Gemüsemais-Polenta mit Dörrobst.

PECANNUSS, BEEREN & ROTE BETE – Pecannusstarte mit Kompott von Beeren und Rote Bete, Himbeer-Paprikasorbet.

MANOURI, DATTELN & SELLERIE – Manourikäsecreme mit Datteln und kandiertem Staudensellerie.

Nach dem Gruß aus der Küche, der aus mariniertem Lachs und einer sehr flachen Avocadomousse auf knackigen Granatapfel bestand kam als erster Gang die Jakobsmuschel. Perfekt zubereitet und schön anzusehen die beiden Stück der Muschel. Der Blumenkohlcreme fehlte es an Charakter was der Kaviar aber wieder wett machte. Leider mussten wir den Kaviar mit dem auf Hochglanz polierten Chromaganbesteck essen.

Die Pastete aus Kaninchen und Gänseleber überzeugte komplett. Das Samosgelee (Samos = ein leichter griechischer Dessertwein) harmonierte perfekt und die Gänseleber konnte in der Runde des Mokkajus und der Aprikosen glänzen.

Ein weiterer Fischgang kam im Kartoffelmantel daher. Gambas die leicht pappig schmeckten und den Eindruck erweckten nicht aus dem Hause Malathounis zu stammen. Gelegentlich bekommt man diese Gambas hier und da in identischer Form meist aus der Friteuse. Auf einem Auberginengemüse das in einer Brühe liegt, war der Kartoffelmantel bereits aufgeweicht. Nicht gut. Die Brühe mit roten Beeren (roter Pfeffer) war hingegen köstlich. Wo war das Passionsfruchtjus?


Die Kalbsbrust kam in einfachem Gewand daher. Gekocht mit einem wirklich raffinierten Salat und einem ausgebackenen Kalbsbrust-Küchlein. Das Küchlein oder besser die Kugel hat gut geschmeckt, nicht mehr und nicht weniger. Die gekochte Kalbsbrust hätte der Chef lieber durch einen Tafelspitz ersetzt. Sie war zu trocken und flach. Auch die Meerrettichsoße konnte daran nichts ändern.

Das Lamm würde nachträglich geordert da nach den ersten Gängen klar war das die Mengen ein wenig unterdimensioniert waren. Allerdings nicht für alle :-). Das Lamm war zart, perfekt auf Punkt gebraten. Leider war die Kombination mit einer Polenta, die eher an einen Grießbrei mit Rosinen erinnerte, nicht das Highlight das wir uns versprachen. Das Lamm ging in der Süsse der Polenta komplett unter. Vielleicht hätte der Polenta oder dem Lamm ein wenig roter Pfeffer aus der Brühe der Gambas gut getan. Die Pfifferlinge perfekt, kamen in der Kombination leider nicht zur Geltung wie sie es verdient hätten.

Der krönende Abschluss konnte auch als solcher verstanden werden. Als Dessert überzeugte sowohl die Pecannusstarte wie auch die Manourikäsecreme. Die Käsecreme mit leichter Honignote war mit den kandierten Staudensellerie mein Highlight des Abends. Ich hätte mir hierzu auch gut das zarte Lammfilet vorstellen können.

Das Hrissos Halvas als Abschluß zum Kaffee war eine kleine Köstlichkeit.

Alles in allem waren wir nicht gänzlich überzeugt. Die Kombinationen sind lange nicht so gewagt wie ich das Malathounis vor einiger Zeit kennenlernen durfte. Die Harmonie der Komponenten steht über der Präsentation einzelner „Hauptdarsteller. Das macht das Ganze aber meist zu flach, zu wenig überaschend.

Zweifelsohne ist der Koch ein Könner, einer der wirklich guten Köche der Region aber von einer modern greek cuisine hätten wir mehr erwartet und ich habe wesentlich eindrucksvollere Erinnerungen an Besuche des Restaurant Malathounis. Aber über aller Kritik ist das Restaurant Malathounis eine der wirklich guten Adresse in der Region.

Preis/Leistungsverhältnis: Sehr gut

Restaurant Malathounis
D-71394 Kernen-Stetten
Gartenstrasse 5
Telefon +49 (0)7151 4 52 52
E-Mail: info@malathounis.de

p.