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VeggieWorld 2011

Nach der Messe ist vor der Messe oder wie? Die Veggie World ist noch nicht beendet und noch einen Tag lang bieten verschiedene Hersteller und Handelsunternehmen ihre Produkte feil. Das geht los beim klassischen Bio-Gemüse Abo über Saftpressen bis hin zu klassischem Convenience Food. Dazwischen ein paar Exoten die das Ganze ein wenig auflockern.

Alles in allem würde ich sagen – zu klein. Der weite Weg nach Wiesbaden war sicher nicht umsonst aber die Anzahl der Aussteller war nicht wirklich prickelnd. Doch Quantität soll ja bekanntlich nach der Qualität stehen und so haben wir uns auf die Besucher und Produkte konzentriert.

Man muss wissen, dass auf der parallel stattfindenden Paracelsus-Messe (eine Karte für beide Messen) vom Pendel bis hin zum Energiesparwunder für den meist gutgläubigen Rentner alles zu finden war. Neben einem Pyramidenstuhl der für Entspannung sorgen sollte, was aufgrund der Plexiglas-Sitzfläche doch wirklich schwer fiel, konnte man das Universum durch die Berührung eines Steins erfühlen. Naja, Glaube versetzt Berge und hier sicher den ein oder anderen Euro.

Interessant wer sich das Konzept ausdachte, diese beiden Messen zu kombinieren – denkt da jemand Vegetarier sind anfällig für esoterische Schnäppchen? Anscheinend ja. Aber auf jeden Fall hatten die Besucher beider Messen zu Mittag ordentlich Appetit und die Stände kamen kaum hinterher die hungrige Meute zu versorgen.

Erfrischend der kleine vegane Weinstand der Weine des Großhändlers Riegel.de aus Österreich zur Verkostung reichte. Vegan rulez und so probierte ich mich durch die Cote du Rhones, Corbiers und ein paar Spanier. Nicht schlecht, ein Blick zu Rieger empfiehlt sich definitiv wenn man auf der Suche nach veganem Wein ist. Keine Billigheimer (ab ca. € 5,-) aber durchaus lecker.  Weitere wirklich tolle Leckereien gab es auf den Ständen von Just-Natural sowie viele bekannte und leckere Produkte der Firma Vegusto. Auch die Oliven der Olivenmanufaktur Vita Verde waren zum Finger schlecken gut. Die Würste von Vegetalis haben mich erst durch ihr Äußeres, absolutes Fleisch Wurstoptik, abgeschreckt aber dann hatte ich doch probiert und geschmacklich recht lecker. Alles kann man natürlich nicht versuchen und so bleibt es wie immer – reine Geschmackssache.

Kritisch wurden einige Stände betrachtet die mit Slogans wie „Aus dem Besten der Milch“ warben die sie zumeist aus Massentierhaltungen beziehen. Seltsamer Weise war das Standpersonal wohl angemietet und hatte selbst irgendwie keine wirklichen Informationen über ihre Milchprodukte. Absicht? Genauso kritisch die Konzepte von Firmen wie Robin Food, welche schon allein durch ihren Namen das Gute vermitteln aber letztendlich nichts anderes machen, als Preise auf dem Biomarkt zu drücken unter dem Slogan „Bio für alle“. Sicherlich ist das alles uneigennützig und das Shop-Angebot der Webseite darf man erst nach Preisgabe seiner Registrierungsdaten einsehen. Tja, vegetarisch goes Industry und jeder will dabei ein wenig an uns mit verdienen.

Im Eingangsbereich ein riesiger Stand der „Glaubensgemeinschaft“ Universelles Leben mit Ihren ibi-Produkten die auch auf mindestens einem Stand im inneren der Messe auf ein zwar leckeres, aber mit 7,50 Euro doch happigem Sandwich mit ein wenig gebratenem Gemüse angeboten wurden. Naja der Winter war hart und die innere Religion muss ihre Heizöltanks wieder füllen. Das nächste Mal dann doch lieber einen Stand in der Wunderwelt der Paracelsusmesse?

Der Mix im Publikum war stark von der Paracelsusmesse geprägt und so war es nicht verwunderlich, dass uns eine bepelzte „Dame“ über den Weg lief (wie gewagt). Es waren in meiner dünnen  Jacke gefühlte 30 Grad aber hey, wer hat der hat. Ich habe ihren Auftritt nicht weiter verfolgt da mich der Vortrag „Warum die Brille  schlecht ist“ brennend interessierte. Nein im Ernst, eigentlich wollten wir kurz in die Vortragssaal reinschauen, der prall gefüllt war, aber sahen dann auf der Leinwand in großen Lettern geschrieben „Warum die Brille schlecht ist“. Ich nahm meine ab, blicke nichts sehend umher und sagte mir, so schlecht kann die nicht sein. Das hat uns dann nach Klangschalen und Wunderlippenstift irgendwie gereicht, das kostenlose Enthaarungsangebot war uns auch zu aufwendig und wir widmeten uns wieder der VeggieWorld.

So langsam, es war kurz nach Mittag, mischten sich dann auch die klassischen Veganer unters Publikum und die Blicke einzelner älterer Damen und Herren die mit ihrer € 1200,- Wasserfilteranlage in Richtung Rohkostkräcker schlenderten, waren durchaus verwundert .  Drängende Enge in den Gängen sind zu bemängeln. Dem mittleren Bereich hätte man gut einen Meter abnehmen können, ohne das es auf den Ständen zu eng geworden wäre. Aber eng kann ja auch schön sein. Übrigens waren erstaunlich viel, wirklich attraktive Frauen unter den Gästen der Messe. Vegetarisch wirkt eben doch!

Erstaunlich war die Zeit die man mit einer Gemüsepresse benötigt um ein Glas leckersten Gemüse/Obstsaft zu erhalten. Eine fünfköpfige Familie kann damit das Programm für den gesamten Vormittag  füllen, aber lecker . Einige Blicke die auf ein „Igitt“ oder „das geht ja gar nicht“ deuten lassen sah man selten, dafür aber immer an denselben Ständen die ich hier jetzt verständlicherweise nicht nennen werde.  Dafür war das Standpersonal, sofern man sie nicht auf Milch aus Massentierhaltung ansprach, sehr freundlich und mit Herz und Hirn dabei. Unser Weinverkoster, der sich selbst ein guter Gast war, ganz vorne an.

Alles in allem kann man die VeggieWorld auch 2012 sicher gerne wieder besuchen. Ein wenig größer wäre wünschenswert, aber wenn man zu schnell durch ist, dann empfiehlt sich Wiesbaden und seine Sehenswürdigkeiten oder ein durchaus amüsanter Besuch auf der Wundermesse nebenan. Und solltet ihr elektrotechnisch bewandert sein, dann lasst euch unbedingt das Prinzip des Energiesparchips erläutern, wer dabei nicht mindestens breit grinsen muss, der rennt schreiend davon.